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Mittwoch, 4. Oktober 2017

Aufwärts

Hier sehe ich doch schon bedeutend besser aus!
In den folgenden Tagen im Krankenhaus versuche ich, mich körperlich und vor allem seelisch, mit der Situation abzufinden oder zumindest zu arrangieren.
Abgesehen davon, dass ich mich trotz der Schmerzmittel kaum bewegen kann und auch nicht darf, reihen sich noch weitere Hiobsbotschaften aneinander.

Mir wird immer wieder Blut abgenommen, als ich frage warum, wird mir eröffnet, das mein Herz wohl etwas abbekommen hat, die Enzyme im Blut sind viel zu hoch, das bedeutet abgestorbene Herzmuskelzellen.
Außerdem ist meine rechte Gesichtshälfte ganz taub. 
Nicht nur das ich nicht Essen kann wegen meiner armen Zähne, nicht schlucken kann wegen des Halses, ich kann auch nicht trinken. Es fühlt sich an wie eine starke Betäubung beim Zahnarzt. Nur ein Strohhalm verhindert, dass mir alles wieder aus dem Mund läuft. Kaffee mit Strohhalm – wird sicher nicht mein Favorit!

Trotzdem habe ich Glück, nach einem erneuten CT wird auf eine OP meiner Wirbel verzichtet und eine Sonografie vom Herz zeigt auch keine Auffälligkeiten. 
So kann ich nach einer Woche endlich nach Hause. Gerade noch rechtzeitig, das Essen war so grauenhaft, das ich wohl ohne Jans´ Carepakete auch noch verhungert wäre. Erinnert sich noch irgendjemand an Milchsuppe???

Zuhause angekommen falle ich aber trotzdem erst mal in ein ziemliches Loch.
Die Prognose der Klinikärzte ist niederschmetternd.
Klar, das Wichtigste ist, das ich aller Voraussicht nach keine bleibenden Schäden nachbehalten werde. 
Aber trotzdem stimmt mich die Aussicht, für Monate auf jedes ernsthafte Training verzichten zu müssen, nicht gerade froh.
Dazu kommt auch der nicht unerhebliche finanzielle Aspekt.
Da ich den Unfall selbst verschuldet habe, muss ich für alle mir entstandenen Kosten selber aufkommen.
Nicht nur das Fahrrad, auch die beträchtlichen Startgebühren der verpassten Wettkämpfe kann ich jetzt abschreiben.
An die Zahnarztrechnung für meine Vorderzähne wage ich gar nicht zu denken.

Ich hatte ja gehofft das meine Unfallversicherung die einen oder anderen Kosten übernimmt, aber Pustekuchen!
Ein Anruf meinerseits und ein Schreiben dererseits belehrt mich leider eines Besseren oder vielmehr Schlechteren.
Die Versicherung greift nur bei BLEIBENDEN Schäden. 
Das heißt. ich hätte schon im Rollstuhl landen müssen oder arbeitsunfähig werden, um eine Leistung zu erhalten.
Der Preis wäre mir dann allerdings doch zu groß.
Wenigstes den Schaden am Transporter übernimmt meine Haftpflicht.

Trotz alledem, versuche ich nicht länger als nötig mit der Situation zu hadern.
Es gibt nämlich auch gute Nachrichten.
Ein Termin bei meinem Unfallarzt, der mich seit Jahren betreut, gibt Anlass zur Hoffnung.

Nachdem er sich mit wachsendem Unglauben durch meinen 4 seitigen Entlassungsbericht gearbeitet hat und ein neues Röntgenbild erstellt ist, gibt er doch eine sehr viel differenziertere Diagnose ab.

Da mir beim Sitzen auf einem Stuhl der
Rücken wehtut, schaffe ich mir einen
Gymnastikball an.
Trainiert auch gleich die Tiefenmuskulatur!. 
Ich darf ab sofort neben der Physiotherapie auch Schwimmen (auch kraulen? Ja, auch kraulen), Aquajoggen und auf dem Ergometer Radfahren.
Alles unter der Prämisse eines 3 wöchigen Kontrolltermin.

Absolut verboten ist aber Laufen.
Auch soll ich es tunlichst vermeiden zu stürzen, Schläge in meinen Rücken zu bekommen (hatte ich ehrlich auch nicht vor) und schwer zu tragen (sorry Schatz, kannst du mir bitte die Wäsche tragen – ich darf ja nicht . . .)
Alles in allem aber doch schon erheblich mehr als das „Nichts“ welches mir seitens der Klinik auferlegt werden sollte!

So nutze ich die Zeit so gut es geht.

Schwimmen hat erst einmal Priorität.
Beim Aquajoggen drückt der Gurt hinten gegen meinen Rücken. Das halte ich für ungünstig, egal was der Arzt sagt, deshalb stelle ich das vorsichtshalber vorerst zurück.

Bereits 10 Tage nach meinem Unfall, sitze
ich wieder auf einem "Fahrrad"
Beim Radfahren steige ich sobald wie möglich vom Ergometer auf mein Rennrad in der Rolle um, der Bewegungsablauf ist sonst einfach zu unterschiedlich.
Ich vertreibe mir die Zeit dabei mit Workouts von Zwift und dem ungehemmten Konsum von Serien auf Amazon Prime, die ich seit Jahren bezahle, aber nie wirklich beachtet habe . . .
Überhaupt – der Frühling ist unerwartet schön und sonnig und ich relaxe so oft auf meiner Liege im Garten wie seit Jahren nicht mehr.
Kurz, ich versuche eine möglichst ausgewogene Mischung aus Erholung und maximal machbarem Training zu erreichen.
Trotzdem sehe ich jeder Kontrolluntersuchung mit leichtem Bangen entgegen, denn auch wenn das WAS durchaus mit meinem Arzt abgesprochen ist, das WIEVIEL habe ich doch lieber nicht erörtert . . .
Aber alles geht gut, meine Genesung schreitet voran und ich fange an zu planen wie ich von der Saison noch retten kann, was noch zu retten ist.
Um meine schöne Radform nicht umsonst aufgebaut zu haben, melde ich mich kurzerhand für die 180 km Distanz bei den Hamburger Cyclassics.
Die wollte ich schon seit Jahren fahren, habe mich aber nie so richtig getraut.
Zu groß war meine Angst vor einem Sturz und einer Verletzung.
Da ja aber der Blitz bekanntlich nicht zweimal einschlägt, habe ich ja für dieses Jahr wohl hoffentlich mein Kontingent an Unfallverletzungen erfüllt.
Außerdem mache ich mir Hoffnung auf einen Start bei den Deutschen Marathon Meisterschaften in Frankfurt.
Über diese Brücke auf dem Weg zum
Stadtpark bin ich noch nie GEGANGEN.
Geschweige denn das ich ein Foto hätte
machen lassen 
Der Termin ist erst Ende Oktober, ich bin mir ziemlich sicher bis dahin wieder Laufen zu dürfen.

Es kommt aber noch besser, schon im Juni kommt die Freigabe wieder ins´ Laufen einzusteigen!
Damit habe ich überhaupt noch nicht gerechnet, wahrscheinlich war der arme Mann mein Jammern einfach leid 😁
Ich beginne also ganz vorsichtig auf dem Laufband, 
um ja kein Stolpern oder gar einen Sturz zu riskieren.

Aber Woche für Woche geht es immer besser. 

So mache ich mich am 15.August auf nach Wilhelmshaven. 
Das ich bei der dortigen Mitteldistanz starten kann,
ist ein unerwartetes Geschenk für mich. 
Ich schwanke zwischen Zuversicht, Vorfreude und Angst.

Wie es mir ergangen ist, könnt ihr HIER lesen!

Sonntag, 24. September 2017

In der Notaufnahme – als ob einmal nicht gereicht hätte!

Im Krankenhaus angekommen, werde ich unsanft aus meinem Dämmerzustand gerissen.

Nachdem man mich mit ziemlichen Trara vom der Rettungsliege auf ein Bett in der Notaufnahme verfrachtet hat, beginnen die Ärzte ihrerseits das Ausmaß der Schäden zu eruieren, eine Prozedur die sich anscheinend einige Stunden hinzieht und von mir nur teilweise bei Bewusstsein verfolgt werden kann.

Es ist wohl eine ganze Menge kaputt, ständig werde ich in irgendwelche Röhren und Apparate geschoben, eine unglaubliche Menge an Ärzten begucken mich, zerren an mir rum und tasten mich ab.
Mir macht mein Rücken, der furchtbar weh tut und mein linkes Knie am meisten Sorgen.
Die Ärzte haben da wohl andere Prioritäten, sie fragen ständig nach meinem Hals.
Was soll ich sagen, mein Mund ist voller Blut, das Schlucken fällt mir total schwer, ich fühle meine abgebrochenen Zähne und das Sprechen geht auch nur so semi, aber ansonsten, atmen ist kein Problem.
Aber es hilft nichts.
Ein Endoskop wird mir in den Hals geschoben.
Fühlte sich meine Kehle vorher doof an, wäre ich jetzt am liebsten von der Liege gesprungen.

Ergebnis, mein Zungenbein ist gebrochen.
Ich bin überrascht, in Krimis ist man danach immer ziemlich tot und erwürgt, ich habe aber wohl diese Verletzung dem Kinnriemen meines Helms zu verdanken.
Aber schlimmer noch, die Luftröhre ist verletzt und es befindet sich Luft im Hals wo keine Luft sein sollte.
Sie wollen mich vom Krankenhaus Boberg nach St. Georg verlegen – anscheinend gibt es hier keine Intensiv HNO Abteilung.
Vorher werde ich aber noch hübsch zusammengeflickt.
Meine Lippe wird genäht, das Kinn und das Knie auch – der Abwechslung halber von jeweils einem anderen Arzt.
Das gröbste Blut wird mir aus dem Gesicht gewaschen, sickert aber von wo auch immer (Mund, Nase, Kinn, Lippe, Stirn?) immer wieder nach.
Nur um meine armen Zähne kümmert sich niemand . . .

Jetzt informiert mich auch ein Arzt über die Summe meiner Defekte.

Grob Zusammengefasst von oben nach unten:

  • Gehirn, abgesehen von einer retrograden Amnesie, wohl ganz ok
  • Schädel nicht gebrochen
  • Platzwunde an der Schläfe 
  • 4 abgebrochene Vorderzähne
  • Unterlippe komplett eingerissen
  • Platzwunde am Kinn
  • Zweiter und dritter Brustwirbel gebrochen, die Vorderkanten sind abgesplittert und die Dornfortsätze abgebrochen
  • Knie geprellt, mit zwei tiefen Rissen (aber zum Glück nichts kaputt!)

Das ist die vorläufige Bilanz. Später sollte sich da noch so einiges dazugesellen . . .

Mein armer Mann, der seit Stunden in der Notaufnahme auf irgendwelche Nachrichten wartet, wird für ungefähr 2 Minuten zu mir gelassen.
Kurz informiert das ich wohl trotz meines desolaten Aussehens wieder auf die Beine (wortwörtlich) komme und gleich wieder raus geschoben, mit der Eröffnung, er könne mir ja nach St. Georg hinterherfahren.
Da kommt auch schon mein „Taxi“ in Richtung St. Georg, wieder rauf auf die Trage, rein in den Rettungswagen und los.

Ich werde allmählich müde, es ist inzwischen fast 8 Uhr Abends, ich bin sozusagen seit ungefähr 4 – 5 Stunden im Ausnahmezustand, mir tut alles weh und ich bin erstaunlicherweise furchtbar hungrig.
Die Fahrt im Rettungswagen ist ja noch ganz angenehm, aber in St. Georg angekommen beginnt die gesamte Untersuchung - und Aufnahmeprozedur von vorn.
Ich hätte die Liste meiner Verletzungen herbeten können und ein Arztbericht war bestimmt auch dabei, aber all mein Protestieren hilft nichts, bis zum Röntgen und Scannen meiner diversen Körperpartien wird alles wiederholt.
Leider sieht man auf den neuen MRT´s, dass zusätzlich der 10. und 12. Brustwirbel eine Deckplattenfraktur hat. Jetzt steht auf einmal sogar eine OP im Raum.
Die Krönung aber ist das erneute Endoskopieren meiner Luftröhre. Jetzt habe ich endgültig den Hals (Achtung, Wortspiel!) voll.
Um kurz vor neun liege ich dann endlich zwischen piepsenden Geräten in einem Intensivbett und hoffe auf einen erneuten Besuch von Jan und vor allem etwas zu essen.
Natürlich bin ich jetzt auf einmal hellwach, die Minuten schleichen dahin, ich kann mich nicht bewegen, habe nichts um mich abzulenken außer dem Blick auf andere bewusstlose Patienten.
Das Personal ist mit mir etwas überfordert. 
Man ist hier nicht auf Patienten eingerichtet die reden, Hunger haben und alleine auf die Toilette wollen.
Es gibt tatsächlich keine Patiententoilette!
Schließlich treibt eine mitleidige Schwester eine Mikrowellentomatensuppe, ein paar Scheiben ungetoastetes Toastbrot sowie einen Joghurt aus dem Schwesternzimmer auf und Jan darf trotz der vorgerückten Stunde kurz hereinschauen.


Viel besser!

Selfie am gleichen Abend. Das ist ungefähr der dritte Versuch so etwas wie ein Lächeln zustande zu bekommen. Dabei geht es mir dank einer ordentlichen Portion Morphium eigentlich ganz gut

Wie ich hier gelandet bin? Teil 1 findet ihr HIER!
Wie es weiter geht? Teil 3 findet ihr HIER!



Dienstag, 11. April 2017

Macht einen das Triathlontraining zu einem (noch) besseren Läufer?

Wie ich darauf komme?
Dieses Wochenende waren die Deutschen Halbmarathon Meisterschaften in Hannover. 

Da ich dieses Jahr mein gesamtes Training auf die Triathlonwettkämpfe ausrichte, habe ich bewusst keine wichtigen Laufwettkämpfe geplant. 

Im Gegenteil - da ich mich unbedingt im Schwimmen und Radfahren steigern möchte, habe ich schweren Herzens mein Lauftraingspensum reduziert. 

Also kein Frühjahrsmarathon, kein reines Lauftrainingslager, weniger GA1 Kilometer und um ca 4 - 6 Wochen verschobene Intensitätseinheiten. 

Dazu kamen 2 Unterbrechungen durch Infekte und ich war Anfang März auf dem Weg ins Trainingslager nach Lanzarote gefühlt so "unfit" wie noch nie zu dieser Jahreszeit. 

Das war soweit geplant und auch in Ordnung, liegt mein Saisonhöhepunkt dieses Jahr doch Ende Juni bzw. Mitte Juli - was soll ich da mit einer Topform Anfang April?

Allerdings kommt es erstens immer anders und zweitens als man denkt. 
Überraschenderweise haben wir in meinem Laufverein doch noch eine Altersklassenmannschaft für die Deutsche Meisterschaft zusammen bekommen und meine Läuferseele konnte einfach nicht widerstehen. 
Ein Halbmarathon benötigt natürlich nicht im entferntesten soviel Regenerationszeit wie ein Marathon, stört das Training also nicht für Wochen. 
Der Termin am 09. April passte auch, also warum nicht. 
Ok, Höchstleistungen habe ich nicht von mir erwartet, aber eine Mannschaft ist immer die Summe ihrer Teile und auf eine Einzelmedaille wie Bronze bei den Meisterschaften 2015 in Husum spekulierte ich bei diesem doch viel größerem Teilnehmerfeld ohnehin nicht.

Trotzdem, ein reiner Trainingslauf sollte es natürlich nicht werden, ein Kompromiss musste also her. 
Dazu gehörte ein deutlich anspruchsvolleres Lauftraining auf Lanzarote als eigentlich geplant.
Natürlich ohne das Radtraining zu "behindern". Für das Radtraining waren wir schließlich da!
Hier zahlte sich gefühlt jede Trainingsfahrt im Winter bei Regen, Kälte und Schnee auf dem Rad aus. 
So kam ich schon ziemlich gut vorbereitet an, konnte das Radtraining wie geplant (und sogar etwas darüber hinaus) durchziehen und hatte noch genug Kraft fürs Laufen.
Aber hart war es schon. 

Über die zwei Wochen zusätzlich zu den Radeinheiten (und ein bisschen Schwimmen) noch 200 Kilometer Laufen war kein Ponyhof. 
Im Gegenteil, nicht nur dass das Wetter tagelang ungeahnte (und ungewünschte) Höchstwerte im Temperatur - und Windbereich erreichte, nein es war auch nicht gerade idyllisch und schon gar nicht flach. 
Wer schon einmal 30 Kilometer mit knapp 600 Höhenmetern bei 28 Grad im Schatten (leider ohne Schatten) entlang diverser Schnellstraßen gelaufen ist, weiß was ich meine. 
Schön ist anders!
Die Intervalle liefen wir dann auf der Promenade, möglichst noch vor sieben Uhr wegen der Hitze (und den Engländern, den Hunden und sonstiger Hindernisse 😎 )
Aber selbst hier war es dermaßen wellig das auf 10 Kilometer fast 150 Höhenmeter kamen.

Das ich trotzdem die Pacevorgaben schaffte und sogar zum Teil toppte, überraschte mich schon - besonders in der zweiten Woche legte ich richtig zu, übernommen hatte ich mich also nicht.

Zurück in Hamburg erstmal eine Regenerationswoche, dann hatte ich im Grunde nur eine Woche um nochmal reinzuhauen um mich dann zumindest beim Laufen vor dem Wettkampf etwas zu Erholen. 

Mein Ziel für den Lauf war vor allem ein mentales. 
Ich wollte die geplante Pace möglichst lange konstant durchhalten. 
Klingt einfach, bereitet mir aber auch nach Jahren irgendwie immer wieder ungeahnte Schwierigkeiten.
Denn das bedeutet bei mir am Anfang BREMSEN und am Ende HALTEN!

Dabei kam mir die Pace, auf die mein Trainingsplan ausgerichtet war (der ja wiederum auf vergangenen Wettkämpfen und Leistungen beruhte), ohnehin schon sehr schnell vor. 
Aber immerhin absolvierte ich ja nebenbei auch noch ein paar klitzekleine zusätzliche Trainings auf dem Rad und im Wasser.

Nun gut, ich hatte getan was ich konnte (und wollte), der Rest lag dann in meiner Tagesform und den sonstigen Bedingungen . . .

Wie es dann im Einzelnen lief könnt ihr HIER  genauer nachlesen.

Im Endeffekt bin ich nicht nur Deutsche Vizemeisterin in meiner Altersklasse mit unserer Mannschaft geworden, sondern konnte mir auch persönlich die Silbermedaille sichern. Meine Bestleistung von 2015 habe ich um ganze 55 Sekunden unterboten! 
Das trotz des rudimentären Trainings und der großen Trainingsgesamtbelastung.

Und ich bin nicht die Einzige - eine andere Athletin aus meinem Verein, die sogar direkt aus dem Triathlontrainingslager kam, hat ebenfalls deutlich ihre Bestzeit geknackt. 
Ähnliches hörte ich auch vorher schon öfter.
Deshalb meine Frage vom Anfang - macht einen das Trathlontraining tatsächlich als Läufer schneller?
Ich würde sagen Ja - Nein - Vielleicht 😁

- Ja, das viele Radfahren unterstützt sicher nochmal den Fettstoffwechsel.
- Schwimmen lockert und regeneriert die durch das Laufen strapazierte Muskulatur. 
- Die Gewichtsreduktion, von der eben besonders das Laufen profitiert, fällt einfach leichter. 
- Das verstärkte Muskeltraining sorgt für mehr Körperstabilität und dadurch für eine bessere   Laufeffizienz und verringert die Überlastungserscheinungen. 

Aber macht einen das alles wirklich SCHNELLER? 

Dagegen spricht nämlich auch so einiges:

- So war mein Fettstoffwechsel durch mein durchschnittliches Pensum von 150 
   Laufkilometer die Woche und ganzjährigen langen Läufen schon immer ausgezeichnet.
- Die durch das Radfahren und Schwimmen "lauffremde" Muskulatur muss während des 
  Laufens "mitgeschleppt" und "ernährt" werden.
- Durch die zusätzlich benötigte Regeneration nach anstrengenden Rad oder 
  Schwimmtrainings kann man nicht so viele intensive Laufeinheiten absolvieren wie 
   zumindest ich es gewohnt bin. 

Aber woher kommen dann die nicht nur bei mir häufigen neuen Bestleistungen im Laufen nach Aufnahme des zusätzlichen Triathlontrainings?

Für mich habe ich folgende Antwort gefunden:

Erstens habe ich zwar mein Training im Laufen reduziert, aber auch speziell auf einen Halbmarathon ausgerichtet. 
Meine vorherige Bestzeit bin ich im Rahmen einer Marathonvorbereitung gelaufen. Da lag der Fokus eben auf längeren, dafür aber zumeist etwas langsameren Einheiten. 

Zweitens überwiegen anscheinend doch eher die vorher erwähnten positiven Effekte die Nachteile durch das Triathlontraining. 

Drittens - und für mich am entscheidendsten war aber wohl der mentale Faktor. 
In meinem Kopf war es "nur" ein Lauf. 
Ich war für meine Verhältnisse recht entspannt, habe mich nicht unter Druck gesetzt.
Ich wusste ja selbst unterwegs nicht mal das ich auf Bestzeitenkurs war. 
Dieses Gefühl muss ich unbedingt irgendwie auch auf für mich wirklich wichtige Wettkämpfe übertragen, egal ob im Triathlon oder Laufwettkämpfen.
Insofern war mein Ziel bei diesem Wettkampf den Fokus hauptsächlich auf die "Kopfarbeit" zu richten in mehrfacher Hinsicht erfolgreich. 

Und Viertens - und das ist ein anscheinend nicht zu unterschätzender, aber wohl leider nicht planbarer Aspekt - ich hatte am Sonnstag einfach einen richtig guten Tag!



Mittwoch, 11. Januar 2017

Oh super - ein Buch über Rennradfahren nur für Frauen!



Wer mich ein bisschen kennt, könnte vielleicht direkt darauf kommen, das der Titel meines heutigen Posts eventuell ein klitzekleines bisschen ironisch gemeint sein könnte.

Ich bin eben bekannt dafür, nicht unbedingt eine Freundin von irgendwelchen Frauen- oder Mädchendingern zu sein.
Als da zum Beispiel wären: Frauenläufe, Frauenhandwerkerkurse, Frauenzeitschriften. Kinderüberraschungseier, Lego, Überraschungstüten, Bilderbücher extra für Mädchen und so weiter und so fort.
Und das selbstverständlich völlig unabhängig vom Alter der weiblichen Zielgruppe IMMER, IMMER, IMMER in den furchtbarsten Pink und Rosafarben. 
Optional mit Blümchen, hätte ich fast vergessen.

Warum also kaufe ich so ein Buch?
Im nachhinein kann ich nur sagen - keine Ahnung, hätte ich es mal gelassen. 

Schon das Titelbild hätte mich warnen sollen, aber es ist ja sooo unfair immer nach dem Äußeren zu urteilen. 

Was habe ich also erwartet?
Erwartet habe ich wie im Untertitel angekündigt, ein Handbuch für Frauen, die wie ich nicht seit 100 Jahren auf dem Rennrad sitzen. 
Von den speziellen anatomisch bedingten  Anforderungen was das Material, Kleidung ect angeht, sowie vielleicht Trainingstipps für Anfängerinnen und auch Fortgeschrittene. 

Was habe ich dafür bekommen?
Ein Buch, welches sich entweder an 6-jährige richtet (ohne jetzt diese Altersgruppe beleidigen zu wollen), oder wenn ich es wohlwollend betrachte, eher eine Glosse ist als ein ernst gemeinter Ratgeber. 

Dabei fand ich das Konzept, soweit ich es dem Klappentext entnehmen konnte, durchaus interessant.
Die Hauptautorin ist eine Anfängerin, die das Rennradfahren für sich entdeckt und als Koautorin gibt es eine Profiradfahrerin, die aus ihrem Alltag und ihren Erfahrungen berichtet.

So weit so gut. 

Leider hatte die Profiradfahrerin wohl nicht all zuviel Lust ihre Zeit mit diesem Buch zu verschwenden. 
Ihre Beiträge sind sehr kurz und beschränken sich mehr oder weniger auf Kommentare zu den Ausführungen in den Kapiteln. 

Und diese sind leider wie üblich verfasst, als handele es sich bei Frauen um Wesen die irgendwo in einem Paralleluniversum leben.
Es sind nicht die Themen an sich, die sind sinnvoll - was beachte ich beim Radkauf, welche Komponenten sind wichtig, wie heißen sie und wozu sind sie da - alles ok. 
Aber muss man so tun, als ob einer Frau erklärt werden muss das ein Fahrrad zwei Räder und einen Lenker hat? 
Ok, war jetzt vielleicht etwas überspitzt, aber mich hat das echt genervt.

Beispiel gefällig? 
Da findet sich unter "nützliches Zubehör: EIne Fahrradklingel". Neee - echt jetzt???
Oder ein Kapitel heißt " Essen und trinken auf dem Rad". 
Durchaus ein Thema, aber muss ernsthaft erwähnt werden das man dabei gleichzeitig schlucken und atmen UND auch noch den Lenker festhalten muss?
Und so geht es munter fort. 

Habe ich irgend etwas aus diesem Buch mitgenommen?
Ja - es gibt einen Tipp wie man unterwegs pinkelt ohne sich komplett aus der Trägerhose zu plünnen (und dabei nicht in dieselbe zu pinkeln!)

Vielleicht sehe ich es zu kritisch und bin für diese Art von Literatur einfach nicht geschaffen.

Für das Buch spricht, das es ganz amüsant geschrieben ist und die geschilderten Anekdoten entbehren nicht einer gewissen Komik.. 
Allerdings hoffe ich für die Fahrerin, das die geschilderten Pannen und Missgeschicke eher ihrer Phantasie entspringen, ansonsten kann ich sie für ihre Beharrlichkeit allen Widrigkeiten zum Trotz wieder aus Rad zu steigen, nur bewundern!

Am amüsantesten fand ich übrigens die Kommentare anderer Rennradfahrerinnen ganz am Ende des Buches. 

Wer sollte dieses Buch also nicht kaufen?
Jede, die schon mal auf einem Fahrrad gesessen hat und sich nicht scheut in einem Fahrradgeschäft oder einer Radgruppe Fragen zu stellen, sollte genau das tun - oder sich ein "richtiges" Buch über Radsport kaufen.

Wem ist das Buch zu empfehlen?
Wenn jemand wirklich völlig unbeleckt an die Sache herangeht, seit Kindertagen auf keinem Fahrrad gesessen hat und /oder auch gerne die Kolumnen in Frauenzeitschriften liest (das ist keine Wertung!), wird sie mit dem Buch sicher Spaß haben.

Disclaimer: Ich habe das Buch als Ebook selber erworben und das Foto ist ein Screenshot von meinem Computer.

Dienstag, 3. Januar 2017

Was ist denn mit dem Schweinehund?

Ja was ist denn jetzt mit dem Schweinehund?
Gibt es ihn überhaupt?
Und wenn ja, was ist er eigentlich genau?
Und was hilft wirklich ihn auszutricksen?

Als ich anfing zu laufen war es alles noch so einfach. 
Ich wollte immer mehr laufen als mein Körper überhaupt verkraften konnte. 
So kämpfte ich mehr darum mich zu bremsen und die aus diesem verlorenen Kampf resultierenden Überlastungswehwehchen, als gegen irgendeinen Schweinehund.

Auch später, als ich jeden Tag lief, hatte ich mit ihm kaum zu tun. 
Wenn man jeden Tag läuft stellt sich irgendwie gar nicht die Frage ob oder ob nicht, man tut es einfach.
Ruhetage waren vorgegeben und wenn ich denn mal ein Training ausfallen ließ oder abbrach war es immer meinem Körper geschuldet und nicht meiner Bequemlichkeit. 

Klar gab es Einheiten die fand ich nicht so prickelnd aber gemacht habe ich sie trotzdem. 

Dann kam die Sache mit dem Triathlon. 
Im ersten Jahr kein Problem. 
Laufen ging weiter wie bisher und das Radfahren war eine willkommene Abwechslung. 
Ich zuckelte ein paar Stunden im Grundlagentempo durch die Lande und freute mich meines Lebens. 
Schwimmen beschränkte sich auf einige erfolglose Versuche das  Kraulen zu lernen und die Wettkämpfe im Brustschwimmen zu absolvieren. 

Dieses Jahr wurde die Sache schon ernster. 
Plötzlich wurden die Radeinheiten lang oder anstrengend. 
Schwimmen drängte sich in den Vordergrund ohne in irgendeiner Form für mich attraktiver zu werden. 
Statt einer Einheit am Tag nach der ich irgendwie "frei" hatte, waren es plötzlich zwei oder drei Trainings am Tag. 

Angeblich gibt es ja Sportler die springen jeden Morgen voll motiviert aus dem Bett, rennen 20 Kilometer, schwingen sich für ein paar Stunden aufs Rad um dann ihre 50 x 100 m zu Schwimmen. 
Ehrlich? Ich glaube das ist genau so ein Mythos wie die Size-Zero-Modells die sich nach eigenen Aussagen den ganzen Tag von Pizza und Schokolade ernähren. 

Ich finde es jedenfalls schon hart nach einem Lauftraining am Morgen sich in unzählige Kleiderschichten zu wickeln um bei 3 Grad und oder Regenschauern Rad zu fahren. 
Aber das bekomme ich alles irgendwie noch hin, wo ich allerdings meine ultimative Begegnung mit dem Schweinehund habe ist das Schwimmen. 

Dafür gibt es einige Gründe, welche die ich nachzuvollziehen kann und andere die ich selber nicht verstehe. 

Ich trainiere im Holmes Place, das ist ein 25 Meter Becken mit einer Wassertemperatur knapp über 26°C. 
Das ist kalt. Und zwar nicht nur im ersten Moment beim Reinspringen (da ist es unerträglich), sondern auch während jeder Pause und jeder Technikübung bei der man sich weniger bewegt.
Ich friere im Prinzip die ganze Zeit und nur die Aussicht auf die Sauna hinterher hält mich aufrecht. 
Ich finde Schwimmen im Schwimmbad langweilig. Bei keinem Training gucke ich so oft auf die Uhr wie beim Schwimmen. 
Ich kann es nicht besonders gut. 
Beim Vereinstrainnig schwimme ich immer noch so ziemlich hinterher und wenn ich alleine trainiere habe ich Sorge mein Pensum nicht zu schaffen. 
OK, der letzte Punkt wird allmählich besser, aber gemessen an dem Aufwand finde ich meine Fortschritte immer noch recht bescheiden. 
Ich habe einfach keine Lust - DIES ist eindeutig ein Punkt den ich nicht so ganz wirklich nachvollziehen kann. 

Was tue ich also um zumindest auf drei bis vier Einheiten in der Woche zu kommen?
Ganz oben auf der Liste der "Anti-Schweinehund-Tipps" steht ja immer "Erst mal losgehen, dann zieht man es schon durch"
Haha, funktioniert bei mir nur so semi - ich bin schon mal auf halbem Weg wieder umgekehrt und habe es tatsächlich auch schon geschafft am Beckenrand noch zu kneifen. 
Der absolute Höhepunkt war das ich einmal nach ein paar Metern wieder aus dem Wasser bin. 
Was funktioniert dann besser?
Zum einen das Belohnungsprinzip. 
Nach dem Schwimmen ist Sauna. Und zwar NUR NACH dem Schwimmen. 
Gerade jetzt im Winter ein unschlagbares Argument. 
Egal ob Radfahren oder Laufen oder Krafttraining, alleine der Gedanke an Sauna lässt meine Muskeln jubilieren. Aber, ohne Schwimmen keine Sauna, keine Arme keine Kekse. Eben 😜
Zum anderen mein Kopf. 
Ich will schneller und besser schwimmen. Ich habe es mir selber ausgesucht, niemand zwingt mich. 
Ich habe verschiedene Bilder dafür. So stelle ich mir ein Puzzle vor und jedes Teil ist ein Training.
Das anstehende Training muss auf seinen Platz, fertig aus. 
Ein anderes Bild ist die Vorstellung, ich komme beim Wettkampf aus dem Wasser und es sind noch haufenweise Fahrräder in der Wechselzone. 
Klingt bekloppt? Schlechte Schwimmer können es vielleicht nachvollziehen, aber ich fand es schon total deprimierend in der Wechselzone mein einsames Fahrrad da stehen zu sehen. 

Und wenn mir dann diese Gedanken kommen das es doch völlig egal ist ob ich ein paar Minuten eher oder später aus dem Wasser komme und man eh keinen Wettkampf beim Schwimmen gewinnt (aber eben schon verlieren kann) und der Aufwand für den Effekt viel zu groß ist?
Dann halte ich mir die Ohren zu und mache lalalalala. 
Oder ich besinne mich darauf erwachsen zu sein und rechne die Sache einmal durch. 
Beispiel: Olympische Distanz, 20 sek pro 100 Meter schneller sind auf 1500 Metern ganze 5 Minuten früher aus dem Wasser! 
Um das beim Laufen aufzuholen müsste ich pro Kilometer 30 sek schneller sein.

Zusammenfassend denke ich das der innere Schweinehund auch ein guter Indikator dafür sein kann das man sich vielleicht die falschen Ziele gesetzt hat. 
Wenn ich mich jeden Tag zwingen muss zur Gymnastik zu gehen, ist es dann für mich das richtige? 
Schwieriger wird es wenn man zwar die richtigen Ziele hat, aber nur ein TEIL der Umsetzung so einen Widerwillen erzeugt (wie bei mir das Schwimmen als Teil des Triathlon oder bei anderen das Laufen um z. B. fitter zu werden)
Entweder sucht man sich dann eine andere Möglichkeit das Ziel zu erreichen (vielleicht eine Ballsportart anstatt Laufen für die Fitness) oder man lebt damit und nimmt den Kampf mit dem inneren Schweinehund "sportlich"

Samstag, 31. Dezember 2016

Willkommen 2017!

Ein neues Jahr, ein neuer Anfang?
Nicht für Triathleten, nicht für mich!
Für mich begann das Triathlonjahr 2017 bereits am 01. November 2016. 
Endlich endete die Regeneration und die Vorbereitung auf die Saison 2017 konnte beginnen!
Für diese Saison habe ich große Ziele. 
Nach 2015 in dem ich Triathlon eher als Crosstraining für die Sommerpause zwischen meinen Hauptwettkämpfen im Laufen eingesetzt habe und 2016 in dem ich den unmöglichen Spagat versucht habe neben 2 vollständigen Laufsaisons mit einem Marathon im Frühjahr und Herbst eine komplette ambitionierte Triathlonsaison zu absolvieren habe ich mich nach reiflicher Überlegung entschlossen mich 2017 komplett auf den Triathlon zu konzentrieren. 
Leicht fällt mir diese Entscheidung nicht - ich bin Läuferin. 
Ich laufe gerne und ich laufe gut. 
Warum dann der Wechsel zum Triathlon? 
Ich habe erst vor vier Jahren angefangen zu Laufen und bin wahrscheinlich noch in der Lage neue Bestzeiten zu laufen. 
Allerdings habe ich das Gefühl das mein Körper die dafür nötige weitere Steigerung von Umfang und/ oder Intensität nicht mehr so ohne weiteres akzeptiert. 
Ich war immer wieder verletzt und die nötigen Pausen haben mich frustriert und genervt. 
Triathlon hat den großen Vorteil das selbst bei Überlastungen in der einen Sportart immer noch genug Trainingsmöglichkeiten in den anderen verbleiben um weitertrainieren zu können. 
Außerdem beugt das Training der drei verschiedenen Sportarten Verletzungen durch eine zu einseitige Belastung wie sie beim Laufen gerne entstehen vor. 
Nicht zuletzt fahre ich wirklich sehr gerne Rad und das Schwimmen - ja nun das Schwimmen - das Schwimmen ist eben wirklich total gesund und ich wollte es wirklich schon immer mal lernen . . .
Aber nicht zuletzt lockt auch der Erfolg - ich habe schon mit dem diesjährigen, eher unstrukturiertem Training so einiges erreicht - unter anderem die deutsche Meisterschaft auf der Mitteldistanz in meiner Altersklasse und die Qualifikation für die Altersklassen Nationalmannschaft der DTU mit einem 6. Platz bei der Europameisterschaft auf der Mitteldistanz. 
Dieses Jahr. Will ich mehr!