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Sonntag, 5. November 2017

DM Mainova Marathon Frankfurt 29.10.2017



10:00 h 
Ich stehe im Startblock "BMW"
Um mich herum 14 000 Menschen, neben mir Jan, mein Hase, Verpflegungsdirektor und Mentalcoach für diesen Tag.
Ich sehe mich um, es schnürt mir vor Aufregung die Kehle zu. 
Wieder einmal erscheint es mir unvorstellbar, über die Strecke von 42,195 Kilometern in einem Tempo zu laufen, welches ich im Training an manchen Tagen nicht mal für 3 Kilometer durchgehalten habe. 
Es ist kalt, recht windig, um mich herum andere Läufer, zappelig, manche ruhig, in den Ohren die unverständlichen Ansagen des Moderators und Musik.
Ich bekomme immer mehr Angst, aber plötzlich kommt mir ein Gedanke. 
Ich wende mich an Jan: "Egal wie das hier heute ausgeht, was passiert oder auch nicht, es ist ein Wunder das ich heute hier stehe und ich bin sehr sehr froh und dankbar und werde es genießen!"
Dann geht es los.
Bei mir entscheiden oft schon die ersten Meter darüber, wie der Wettkampf verlaufen wird. 
Je nachdem wie sich das geplante Tempo anfühlt, weiß ich sehr bald, ob es ein leichter oder schwerer Lauf wird. 
Beim Marathon muss sich das Tempo am Anfang ganz leicht anfühlen. Und das tut es. 


Also bremsen, bremsen, bremsen. 

Jan tut sein Bestes. 
So beginnen wir den Tag. 

Um uns herum sortiert sich das Feld, die Sonne kommt heraus und die Zuschauer bringen uns enthusiastisch auf den Weg. 
Wir laufen Seite an Seite und ich möchte nirgendwo anders sein als genau hier. 
Der Weg durch die Stadt vergeht wie im Flug und wir überqueren den Main. 
Jetzt merkt man den Gegenwind ein bisschen, ich versuche mich etwas hinter Jan zu verstecken aber wirklich schlimm finde ich es nicht. Da sind wir aus Hamburg schlimmeres gewöhnt und außerdem bedeutet es auf dem Rückweg Wind von hinten!
Es sind auch außerhalb Frankfurts viele Zuschauer an der Strecke, es wird nicht langweilig und nur Jan, der immer wieder mahnt Tempo raus zu nehmen, nervt ein wenig 😏
Aber ist halt sein Job und er hat natürlich recht. 

Ich liebe die Trommel-Bands, von mir aus können die alle 500 Meter stehen, ich bekomme Gänsehaut wenn ich sie schon von weitem höre.
Als der Halbmarathon Bogen kommt, kann ich es nicht glauben. 
Immer noch läuft es als wäre es ein entspannter langer Lauf im GA 1 Tempo. Ich bin nicht annähernd müde, trinke ab und zu, nehme schluckweise mein Gel, Jan macht einen tollen Job, auch wenn er in zunehmend schärferem Ton unser immer noch zu schnelles Tempo kritisiert. 
Jetzt "nur" noch nach Hause!
Bei Kilometer 22 habe ich dann einen kleinen Hänger, nicht körperlich, ich fühle mich nach wie vor toll, eher mental. Es ist noch weit und ich habe Angst was noch kommt. 
Als Reaktion darauf werde ich anscheinend schneller, denn Jan wird jetzt richtig sauer und droht damit mich laufen zu lassen wenn ich mich nicht zusammen reiße. 
Also besinne ich mich, konzentriere mich auf die nächsten 5 Kilometer Abschnitte. 
Ich liebe das Stück Landstraße. Es geht sanft bergab mit Rückenwind, man kann einfach rollen lassen. Ich horche in mich rein, 30 Kilometer und es geht mir fantastisch. 
Kilometer 32.
Nur noch 10 Kilometer!
Ein Zehner geht immer! 
Weiter, weiter. . . .
Kilometer 35. Noch eine Alsterrunde, mehr nicht?? 

Endlich lässt Jan mich laufen. 
Ich beschleunige ein bisschen und überhole Läufer für Läufer. 

Achtung, sieben Kilometer sind sieben Kilometer rede ich mir zu, gucke auf die Uhr. Pace 04:32 in dem laufenden Kilometer. 
Kurz kommt mir das alles total surreal vor. Wenn es denn ein Traum ist, hoffe ich das ich nicht aufwache!
Wir sind wieder in der Stadt. Hier mag ich es nicht so, ich erinnere das noch von 2015. 
Es wird enger, man läuft ständig um Ecken und man kann die Moderation aus der Festhalle hören ohne schon dort zu sein. 
Aber im Gegensatz zu von vor zwei Jahren bin ich noch frisch, noch 5 Kilometer, dann 4. 
Jetzt gucke ich nicht mehr auf die Uhr, laufe nur noch von 
Läufer zu Läufer. 
Bei Kilometer 40 dann die erste und einzige wirkliche Prüfung an diesem Tag.
Eine Winzigkeit von vielleicht 500 Metern Kopfsteinpflaster. 
Das haut dann doch ordentlich rein. Plötzlich erinnern mich meine Füße und meine Oberschenkel daran, dass sie jetzt allmählich keine Lust mehr haben. 
Ich komme aus dem Rhythmus und bekomme prompt Seitenstechen. 
Aber dann ist es auch vorbei. 
Noch 2 Kilometer. 
Ich will jetzt einfach ankommen. Ich habe schlauerweise auf meiner Uhr nicht die Gesamtzeit eingestellt und die 40 Kilometer Zeitanzeige irgendwie verpasst, aber das es eine PB wird, ist mir klar. 
Und egal welche Zeit am Ende auf der Uhr steht - das war der beste Marathon  den ich je gelaufen bin.

Ich biege endlich in die Festhalle ein. 

Viel zu kurz der Einlauf unter tosendem Beifall und Musik. 
Hinter der Ziellinie breche ich tatsächlich vor Freude und Erleichterung in Tränen aus. 

Eine wildfremde Läuferin nimmt mich in den Arm. 
Da kommt auch Jan, ich umarme ihn immer noch heulend, bekomme kaum Luft. 
Eine mitfühlende Helferin fragt mich, ob alles in Ordnung ist, aber es ist einfach nur Glück.

Wie knapp es im Endeffekt war wird mir klar als ich sehe, das ich eine Nettozeit von 03:14:55 Stunden erreicht habe!

Übrigens habe ich bei der Wertung für die Deutsche Meisterschaft "nur" Platz 5 belegt. 
Um aufs Treppchen zu kommen, hätte ich noch mindestens 5 Minuten schneller sein müssen.

Ein Video Zusammenschnitt dank ASICS:





Mehr Fotos wie immer unter FOTOS

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Was für ein Tag! - Die Mitteldistanz Nordseewoman in Wilhelmshaven.






Nach meiner etwas unglücklichen Begegnung mit einem Auto im April dieses Jahres, schien meine Triathlon Saison 2017 beendet, bevor sie begonnen hatte.
Physio war gefordert, Schwimmen erlaubt, Aquajoggen und Radfahren auf dem Ergometer auch, aber Laufen?
Kein Arzt wollte sich da verbindlich äußern. Also Abwarten und Tee trinken, bzw. so viel Alternativtraining wie möglich.
Bei jeder Nachsorge Untersuchung stellte ich dieselbe Frage - darf ich Laufen?
Im Juni dann plötzlich die überraschende Antwort – Laufen ja, wenn auch erst nur auf dem Laufband oder der Bahn und seeeehr vorsichtig.  
Aber immerhin Laufen!
Jetzt wollte ich wenigstens noch eine Mitteldistanz finishen, möglichst spät im Jahr, um noch so viel Laufform aufzubauen als irgend möglich und eher flach um meine armen Wirbel so gut als möglich zu schonen.
Schnell fiel meine Wahl auf den Nordseeman / Nordseewomen in Wilhelmshaven am 13. August.
Dort bin ich vor zwei Jahren meine erste Mitteldistanz überhaupt gestartet.
Der Wettkampf ist liebevoll organisiert und die Strecke nicht zu anspruchsvoll.
Natürlich ging es eigentlich nur ums heil und gesund  Ankommen.  
Aber eine Verbesserung zu 2015 sollte natürlich möglichst schon drin sein. 
Hatte ich mich doch tapfer Stunden um Stunden und Bahnen um Bahnen im Schwimmbad abgemüht!
Das Radtraining lief auch super, nur beim Laufen hatte ich so überhaupt keine Einschätzung.
Trotzdem fing ich klammheimlich an, von einer Zeit unter 5 Stunden zu träumen.
Das war eins meiner Ziele für 2017 gewesen und auch ohne Unfall,  bei meiner bisherigen Bestzeit von 05:23 h, schon eher etwas überambitioniert. 

Aber ich wollte ein Ziel, Hopp oder Flop, wie auch immer, einfach nur ankommen war bestimmt vernünftig, aber leider auch so überhaupt nicht sexy.

Also vor, während und nach jedem Lauftraining mit meinem Körper diskutiert. 
Wieviel geht, wie schnell, wie oft? 
Wie fühlt sich der Rücken an? Wie, der rechte Fuß tut weh, wieso das denn jetzt? Und der Erguss im Knie ist auch noch nicht weg? Und ja, ich laufe morgen nicht, aber dafür übermorgen Intervalle, ok?
Insgesamt wohl so ziemlich ok, denn am Tag X stehe ich fröstelnd (wie immer!), aufgeregt (wie immer!) und voller Selbstzweifel (auch wie immer!) in der Wechselzone,  also einfach total glücklich.
Das Gewusel um mich herum, die völlig durchnässte Wiese, die Panik wieder irgendetwas vergessen zu haben  - herrlich.
Nach dem Reinzwängen in den Neo (bin ich wirklich so viel fetter geworden?), kurz einschwimmen und dann kommt auch schon das Startsignal. 
Zumindest  wahrscheinlich kam das Startsignal, denn ich habe das irgendwie nicht gehört. Aber wenn alle los schwimmen, schwimme ich halt auch – fängt ja schon mal super an!
Die Schwimmstrecke in Wilhelmshaven ist für eine so eher nicht so tolle Schwimmerin wie mich ideal.
Eine Wendestrecke in einem Kanal mit Brackwasser, immer geradeaus und im Neo ploppt man hoch wie ein Korken aus einer Sektlasche. 
Was mir nach den ersten paar hundert Metern auffällt, sind die Schwimmerinnen um mich herum. 
Es mag überraschen, dass mich in einem Triathlon die Anwesenheit anderer Schwimmer überrascht, aber das war beileibe nicht immer so.
Nicht das ich im letzten Jahr ständig als Letzte aus dem Wasser kam, aber ich hatte normalerweise immer jede Menge Platz um mich herum.  Nun also geradezu MASSEN!  
Entweder waren die heute besonders langsam oder ich tatsächlich ein klitzekleinesbisschen schneller.
Endlich konnte ich mal diese tollen Ratschläge befolgen wie „an die Füße des Vordermannes anhängen, eventuell kurzen Sprint zum Nächsten einlegen usw!“
Mein persönliches Highlight war jedoch, das mich erst ein paar Meter vor dem Ausstieg das Gros der Badekappen aus der nachfolgenden Startgruppe  überholte – das kam auch schon mal eher.
Dann raus aus dem Wasser, raus aus dem Neo, und - Hurra! - Rad gefunden ohne erstmal durch die Wechselzone zu irren. 
Edge an, Startnummer an, Helm an – ich bin ein Roboter!
Raus aus der Zone, rauf aufs Rad, in die Schuhe, Gas geben.
Alles flutscht trotz über einem Jahr Wettkampfabstinenz.
Auf dem Rad erstmal Status abfragen - sitzt alles, alles da, wie fühle ich mich?
Erst mal fühle ich mich kalt.
Sooo warm ist es bei 15 °C im nassen Einteiler im Wettkampftempo nicht, aber nach ein paar hundert Metern bin ich trocken und konzentriere mich darauf meine vorher festgelegte Wattzahl zu halten.
Da heißt es zuerst mal Tempo drosseln.
Erste Runde, zweite Runde, ich habe zu keiner Zeit das Gefühl mich zu sehr anzustrengen, in der dritten Runde weiß ich, dass ich das durchbekomme.
In der vierten versuche ich die Trittfrequenz zu erhöhen, allmählich muss ich auch darauf achten die Watt zu halten, aber da ist es auch schon vorbei.
In der Wechselzone finde ich meinen Platz, Laufschuhe an, Softflask und Sonnenbrille geschnappt und los.
Normalerweise kommt jetzt mein Highlight, das Laufen, doch diesmal ist es mein größter Unsicherheitsfaktor. 
Ich habe keine Ahnung wo ich läuferisch stehe, habe seit März keinen Wettkampf bestritten, wie meine Laufform tatsächlich aussieht – keine Ahnung.
Mit einer Sub 5 zu finishen klingt toll und auch theoretisch total machbar.
In der Realität bedeutete das jedoch:
 - eine Schwimmpace von 2:00 min pro 100 Meter (was ich noch nie in irgendeinem
   Wettkampf egal welcher Länge geschwommen bin, aber man wächst ja mit seinen 
   Herausforderungen
 - einen Schnitt von 33 – 35 km/h auf dem Rad (auf 90 Kilometer natürlich auch noch nie
    erreicht, aber ich hatte ja meine neue Geheimwaffe, das Pearl – fuhr das nicht sozusagen
    von alleine?)
 - und schlussendlich einen Halbmarathon in höchstens  01:43 h, besser 01:40 h

Zieht man von dieser Zeit die 10% ab, die man im Triathlon als Faustregel länger braucht als in einem reinen Laufwettkampf, käme ich auf eine – hypothetische – Halbmarathon Wettkampfzeit von 01:30 h – 01:33 h.
Sehr witzig, im März war ich in Hannover in Höchstform eine persönliche Bestzeit von 01:31:30 h  gelaufen, davon war ich gefühlt so weit entfernt wie ein Igel von einem Hasen.
Trotzdem peilte ich unverdrossen eine Pace von 04:45 an, langsamer konnte ich ja immer noch werden.
Die Laufstrecke am Deich hat mir bei meiner ersten Teilnahme vor zwei Jahren am wenigsten gefallen.
Ein 5 Km Wendekurs, über den Deich und dann am Wasser entlang auf einem schmalen Weg. 
Der Wendepunkt höchstens einen Meter breit, der Deich in jeder Runde zweimal zu überqueren, gefühlt wuchs das Ding jede Runde um einige Meter.
Zu allem Überfluss war es 2015 auch recht warm, die Strecke natürlich komplett in der Sonne und da nicht abgesperrt, musste man sie auch noch mit Urlaubern, Hunden und sogar Fahrrädern teilen.

Diesmal ist es zwar auch sonnig, aber viel kühler, irgendwie sind die Urlauber dezenter, der Deich flacher, kurzum es läuft sich gut an.
Nach einem Kilometer – ich bin gerade das erste Mal über den Deich,  kommt mir eine Frau in einem gelben T-Shirt entgegen.
Ich bin völlig geschockt. Woher kommt diese Athletin mit einem Vorsprung von fast 4 Kilometern?  Im T-Shirt? Wie schnell will die denn geschwommen sein?
Etwas demoralisiert mache ich mich weiter auf die erste Runde.
Aber das Laufen macht Spaß. 
Ich genieße das Meer, die Zuschauer an der Strecke und vor allem das Strahlen und die aufmunternden Blicke meiner Mitstreiterinnen.
So viel gegenseitige Unterstützung und Motivation untereinander habe ich noch nie erlebt.
Es ist einfach eine Freude.
Auch in der zweiten Runde halte ich mein Tempo ganz gut, ich habe keinen Hunger, keinen Durst und der Deich entfaltet auch noch nicht seinen Schrecken.
Die dritte Runde wird schon schwerer. Ich hänge mich an einen Läufer vor mir und achte darauf ob andere Läuferinnen von hinten aufschließen.  
Bei der Wende zur vierten Runde sehe ich die Uhr am Zielbogen und versuche mit meinem doch inzwischen wohl recht schlecht durchbluteten Gehirn auszurechnen, wie viel Zeit mir für die letzten 5 Kilometer bleibt um mein Traumziel von der Sub 5 zu erreichen.
Ich meine 4 Stunden, 37 Minuten erkannt zu haben oder war es eine 34?
Bei einer Pace von 5:00 wären 5 Kilometer 25 min. Aber halt, da fehlen ja noch so 300 m. Wie schnell laufe ich denn gerade? Das wird nix. Nicht wenn die Uhr 04:37 anzeigte. Nicht wenn ich wirklich 5 min pro Kilometer brauche.
Jetzt fängt die innere Diskussion an.
Vor mir ist mindestens einen Kilometer keine Frau – hinter mir auch nicht. Es gibt also positionsmäßig keinen Grund mehr sich zu beeilen. 
Und die Beine sind müde, die Füße schmerzen, mein Rücken tut weh. 
Ich habe jetzt Hunger, aber noch mehr Durst. 
Lass es gut sein, die Zeit schaffst du eh nicht, ist doch toll das überhaupt alles so gut geklappt hat und so weiter und so weiter.
Ich gucke auf die Uhr, Pace 4:55 min/km. Schneller als ich befürchtet habe. Ein kleines bisschen Gas geben sollte doch drin sein? Ich ziehe etwas an und schließe wieder auf meinen „Hasenläufer“ vor mir auf.
Er guckt, ich so – "jetzt nicht langsamer werden!", er so – "ich versuch es ja!"
Der Arme muss noch eine weitere Runde, hält sich aber tapfer.
So mühen wir uns bis zu meiner letzten Wende, jetzt wird es wirklich hart, gefühlt hangle ich mich von Grashalm zu Grashalm. Das letzte Mal über den Deich, noch ein paar hundert Meter. Ich raffe meine letzten Reserven zusammen und laufe ins Ziel.
Ein Blick zur Uhr – 05:01:53 h.
Ich hatte es geahnt.
Dann aber, anscheinend kehrt inzwischen etwas mehr Blut in mein armes Gehirn zurück, dämmert es mir.
Ich bin ja gar nicht um 09:00 Uhr im ersten Startblock, sondern mit den anderen Frauen um 09:05 gestartet!
Ich rechne vorsichtshalber noch dreimal nach, aber bin mir sicher – meine Endzeit ist irgendwas mit 4 Stunden und 56 min. SUB FÜNF – ich freue mich dermaßen. 
So ein Glück nach diesem verheerenden Jahr.
Meine Hartnäckigkeit, so schnell und so viel wie möglich wieder zu trainieren, sicher auch meine Risikobereitschaft auf mich und meinen Körper und nicht nur auf die Ärzte zu hören und meine Freude an diesem Tag, haben sich unglaublich ausgezahlt.
Nach einer Weile weiter freuen und Melone und Kuchen essen, Bier und Wasser  trinken, fange ich mich ein bisschen an zu wundern, wo denn die nächsten Frauen bleiben. 
Auch gibt es beim Einlaufen keinen Moderator der uns Finisher begrüßt, er ist mit den Startansagen für die Jedermänner beschäftigt.
Ich entdecke eine Offizielle mit einem Klemmbrett in der Hand, die anscheinend  die eintreffenden Sportler notiert und frage sie, ob sie erkennen kann auf welcher Platzierung ich stehe.
Sie checkt meine Startnummer, guckt nochmal und gratuliert mir zum ersten Platz. 
Das kann nicht sein, ich erzähle ihr von der Frau im gelben Shirt. Staffel, meint sie nur – die ist Staffel.
Ich glaub ich träum.
Inzwischen ist auch die zweite Frau und nach ihr eine Freundin aus Hamburg als dritte im Ziel.
Ich erzähle ihnen von unserem Erfolg. Wir strahlen alle um die Wette.
Mein erster Start bei einem Triathlon dieses Jahr, meine erste sub Fünf, mein erster Gesamtsieg, ich bekomme das Grinsen gar nicht mehr aus meinem Gesicht.
Ein Interview für die Wilhelmshavener Zeitung – die Siegerehrung. Ich genieße jede Sekunde.


Was für ein perfekter Tag!


Zum Abschluss nochmal die nackten Zahlen:

Schwimmen: 1,9 km - 37:03 min - 02:57 min/100 m
Rad: 90,3 km - 02:34:55 h - 35 km/h - 3,18 W/kg
Laufen: 21,1 km - 01:39:44 h - 04:44 min/km


Weitere Fotos findet ihr HIER

Eine schöne Zusammenfassung in der Wilhelmshavener 
Zeitung HIER
Ein paar weitere Fotos HIER


So sehen strahlende Siegerinnen aus 😏









Dienstag, 11. April 2017

Deutsche Meisterschaften im Halbmarathon in Hannover


Trotz meiner Konzentration auf den Triathlon in diesem Jahr plane ich natürlich auch reine Laufwettkämpfe, hauptsächlich aus dem Training heraus als schnelle Tempoläufe. 


Aber der Halbmarathon in Hannover hat durch die gleichzeitig ausgetragenen Deutschen Meisterschaften doch einen besonderen Stellenwert. 

2015 sind wir mit unserer Mannschaft vom Hamburger Laufladen.eV in unserer Altersklasse in Husum Deutsche Meister geworden und ich hatte mir die Bronzemedaille gesichert. 
Das wollen wir natürlich gerne wiederholen!

Also stellte ich mein Training etwas um (Hier schildere ich es etwas genauer) und mache mich am Sonntag zusammen mit meinen beiden Vereins- und Mannschaftskameradinnen auf den Weg.

In Hannover angekommen bin ich überrascht über die Größe der Veranstaltung!

Das mag naiv sein, aber da zeitgleich der Hannover Marathon stattfindet und die Deutsche Meisterschaft 2015 in Husum quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem Gewerbegebiet veranstaltet wurde, hatte ich mit den 8000 Teilnehmern, von denen alleine 1000 für die Meisterschaft gemeldet waren, nicht gerechnet. 

Wenn ich schon vorher auf keine Einzelmedaille spekuliert habe, schreibe ich angesichts dieser Konkurrenz, der Bruttowertung und der leider wieder fehlenden Kennzeichnung der Altersklassen auf den Startnummern diese Hoffnung endgültig in den Wind. 

Das stört mich aber überhaupt nicht, ich bin gleich viel entspannter und möchte einfach einen anständigen Lauf machen um möglichst eine gute Mannschaftwertung zu erreichen. 
Der Start ist recht spät nach 11 Uhr und das Wetter für meinen Geschmack für Höchstleistungen schon fast zu warm, aber herrlich zum Laufen. 

Dann also los, wir kommen ins Rollen und ich merke schon nach den ersten Kilometern das es ein guter Tag für mich ist. 
Ich muss mich in der Tat bremsen, ein gutes Zeichen, denn wenn man am Anfang von 21 Kilometern schon Mühe hat das Tempo zu halten, wird es erfahrungsgemäß nicht wirklich besser!
Also schön langsam, entspannt rollen lassen, überholen lassen, NICHT hinterherlaufen.
Ich fange an zu genießen. Die Strecke ist flach, dabei recht schön und das Publikum ist wirklich zahlreich und enthusiastisch. 
Besonders liebe ich die Trommeln, die können von mir aus an jeder Ecke stehen . . . 

Als im Vorbeilaufen ein Kind zu seiner Mutter sagt: "die sind aber ganz schön schnell" denke ich bei mir das ich "uns" auch wirklich ganz schön schnell finde. 
Die nächsten Kilometer sinniere ich darüber, wie unterschiedlich sich ein Tempo anfühlen kann. 
Natürlich gibt es die objektive Maßeinheit. 
Aber diese wird ja von jedem anders empfunden. 
Was für mich schon ein richtig schnelles Wettkampftempo bedeutet, ist für einen Profiläufer gerade mal GA1.
Dafür hält es eine untrainierte Frau meines Alters wahrscheinlich keine 400 Meter durch. Außerdem ändert es sich ja auch individuell bei mir jeden Tag (und leider sogar innerhalb von Minuten).
So empfand ich meine jetzige Pace noch Anfang der Woche über 2000 Meter als total anstrengend und jetzt laufe ich sie bereits seit 10 Kilometern fast schon mühelos. 

Ab Kilometer 12 ist dann leider allmählich Schluss mit lustig und ich muss erstmals darauf achten nicht langsamer zu werden. Das ist mir eigentlich zu früh, besser es flutscht so bis Kilometer 15, 16 oder später. 
Jetzt kommt dann auch der mentale Tiefpunkt, es ist noch relativ weit, die Beine werden schwerer, mir ist warm, ich habe keine Lust mehr, also eben so das übliche Mimimi.

Ich leide also ein bisschen vor mich hin, werde auch etwas langsamer aber irgendwie klappt das mal mit der Autosuggestion. 
Hey, es sind immerhin Meisterschaften, dir tut nichts wirklich weh, es gibt keinen wirklich triftigen Grund jetzt nachzulassen und du bist eindeutig nicht am Sterben.
Also reiß ich mich zusammen, rappel mich auf, such mir andere Läufer zum dranhängen, klatschte ein paar Kinder ab und zieh irgendwie wieder an. 
Ich fange an zu überholen, und irgendwann sind es dann auch überschaubare Restkilometer. 
Ich höre aber auf die Runden abzudrücken denn ich hatte Autolap nicht eingestellt und die Kilometerschilder fand ich entweder gar nicht oder sie divergieren völlig mit meiner Uhr. 
So war ich nicht sicher ob ich noch in meiner Zielpace liege, aber diese kam mir sowieso sehr hoch vor, vor allem in Bezug auf die Endzeit.
Diese sollte nämlich noch eine Minute langsamer als meine PB sein was mich doch sehr erstaunte. 
Ich konnte mich nämlich nicht mehr daran erinnern oder mir vorstellen das ich schon einmal so schnell auf einem Halbmarathon unterwegs gewesen war. 
Nachgeguckt hatte ich es nicht mehr, ich wollte mich ja nicht unter Druck setzten . . . 

So oder so, die letzten Kilometer kommen und gehen. 
Es ist anstrengend aber ok und jetzt überhole ich definitiv. 
Und zwar Meisterschaftsteilnehmer, erkennbar an den Startnummern hinten und nicht nur Staffelläufer und sonstige Teilnehmer die ich irgendwie nicht zuordnen kann.  

Als ich dann noch ein paar Frauen erreiche, will ich mir jetzt auch keine Blöße mehr geben und laufe eindeutig schneller auf den letzten Kilometern ins Ziel als ich eigentlich will und für nötig befinde. 
Die Uhr auf dem Zielbogen zeigt zu meiner Überraschung wirklich auf die Sekunde genau meine geplante Zielzeit an und das in Brutto. Nie hätte ich damit gerechnet!

Jetzt die Daumen drücken das auch meine beiden Mitstreiterinnen es bis ins Ziel schaffen.
Sabine kommt mit breitem Grinsen in persönlicher Bestzeit!
Jetzt fehlt nur noch eine, hier machen wir uns ein wenig Sorgen, ist sie doch aus Solidarität trotz Halsschmerzen und leichter Erkältung gestartet, aber auch sie kommt heil an. 

Nun heißt es auf die Ergebnisse warten. 
Als erstes kommen die Einzelzeiten.
Ich fass es nicht - ich habe tatsächlich den 2. Platz in meiner Altersklasse - bin also Deutsche Vizemeisterin im Halbmarathon!


Aber was ist mit der Mannschaft? 

Bei der Siegerehrung erfahren wir es dann - 
auch mit der Mannschaft hat es zu Silber gereicht, mit gerade mal 25 Sekunden Abstand zu den Dritten. 

Soviel zum Thema ich hätte am Schluss auch langsamer laufen können!



Äußerst gut gelaunt zuhause angekommen will ich aber doch mal nachgucken was ich denn genau bei meiner letzten Bestzeit 2015 gelaufen bin. 

Ich gucke einmal, ich gucke zweimal und kann es nicht glauben - ich habe meine Bestzeit immer um 2 Minuten "geschönt". 
Keine Ahnung wieso, mit Absicht auf gar keinen Fall. 
Das ist mir jetzt zwar ein bisschen peinlich, habe ich doch bei Nachfragen immer eine falsche Zeit angegeben aber andererseits erklärt sich jetzt natürlich warum mir die Pace so schnell vorkam - ich habe meine TATSÄCHLICHE Bestzeit mal eben so "Ausversehen" um 55 Sekunden verbessert!!

Mein genaues Ergebnis: Klick

Als zusätzliches Schmankerl bin ich auch Zweite im Gesamtergebnis von immerhin 257 Starterinnen alleine in meiner Altersklasse.
Ja, ja die Babyboomer 😒

Wie ich mir das trotz meines Triathlontrainings erkläre versuche ich HIER zu erklären.